Ein Bohrgerät fliegt im Berner Botschaftsquartier

Schon fast wie ein Bohrkrimi liest sich die Bohrung für drei Erdwärmesonden in Berns Botschaftsquartier. Drei Reihenhäuser sollen neu mit Erdwärme beheizt werden. Dafür musste das Bohrgerät gar in luftige Höhen abheben.  

Eintrag vom 14.01.2025

In Bern verschmelzen Tradition und Innovation. In diesem Spätsommer wurden an der idyllisch gelegenen Rainmattstrasse drei historische Reihenhäuser mit modernen Erdwärmesonden ausgestattet. Die Eigentümerschaften entschieden sich dafür, die bestehenden Elektro- und Gasheizungen durch nachhaltige Erdwärmelösungen zu ersetzen – mit dem Ziel, Energiekosten zu reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zur Umwelt zu leisten.

Die Rahmenbedingungen stellten jedoch hohe Anforderungen: Die Liegenschaften befinden sich in der sogenannten roten Zone, einem Gebiet mit besonderem Schutz für Quellen und Trinkwasserressourcen. Dieses Restrisiko machte eine sehr sorgfältige Planung sowie eine qualitativ einwandfreie Umsetzung notwendig, um mögliche Umweltschäden auszuschliessen. Ein Gutachten eines externen Geologiebüros konnte die zuständigen Behörden schliesslich von der Sicherheit des Projekts überzeugen.

Nach zahlreichen Abstimmungen mit lokalen Behörden, Anrainern – darunter die US-Botschaft und das SRK – sowie mit Rettungsdiensten fiel schliesslich der Startschuss für die Bauarbeiten.

Der Kran war unerlässlich, denn er musste das Bohrgerät sowie sämtliches Material von der einen Häuserseite auf die andere heben. 

Die Felsoberkante – wo bleibt sie? 

In der ersten Bauphase wurden zunächst bei zwei Reihenhäusern die Bohrarbeiten gestartet. Ein mobiler Kran mit einem Eigengewicht von 80 Tonnen sowie zusätzlichen 80 Tonnen Ballast konnte innerhalb von nur 90 Minuten auf der engen Quartierstrasse installiert werden – diese musste dafür vollständig gesperrt werden. Über den Kran wurde das gesamte Material, einschliesslich eines Kleinbaggers, über die historische Häuserzeile hinweg zum Bohrstandort gehoben.

Für das erste Gebäude waren drei Erdwärmesonden mit einer Tiefe von jeweils 170 Metern geplant. Da in der unmittelbaren Umgebung bislang keine Tiefbohrungen durchgeführt worden waren, ging man in der Machbarkeitsstudie – gestützt auf das Modell des kantonalen Geoportals – davon aus, dass die Felsoberkante etwa 100 Meter unter Gelände liegt.

Die Realität erwies sich jedoch als anspruchsvoller: Fluviatile Ablagerungen im ehemaligen Gletschervorfeld, stark mit Grundwasser gesättigt, erschwerten den Bohrfortschritt aufgrund des hohen Auftriebs erheblich. Das wiederholte Ein- und Ausbauen des gesamten Bohrgestänges verlangte den Mitarbeitenden viel Ausdauer und Durchhaltevermögen ab.

Nach zwei intensiven Tagen im Verrohren der Moränenablagerungen aus der letzten Eiszeit war die Erleichterung gross, als der Sandstein schliesslich erst in einer Tiefe von 164 Metern unter Terrain erreicht wurde. Dass diese Tiefe überhaupt realisiert werden konnte, ist der leistungsfähigen Ausrüstung, dem unermüdlichen Einsatz des Teams, der grossen Erfahrung des Geräteführers sowie einer gehörigen Portion Geduld zu verdanken.

Die Platzverhältnisse im beschaulichen Berner Botschaftsquartier sind eng und erschwerten die Logistik und die Bautätigkeiten. 

Ein Bohrgerät in luftiger Höhe

Nach der erfolgreichen Erstellung der Erdwärmesonden beim ersten Gebäude wurde die gesamte Bohranlage in den Hinterhof auf die vom Landschaftsgärtner vorbereitete Nachbarparzelle verlegt. Basierend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen zwei Wochen entschied man sich, statt zwei Bohrungen mit je 170 Metern lediglich eine einzelne Bohrung mit 300 Metern Tiefe auszuführen.

Im Unterschied zum ersten Gebäude waren die Wohnungen hier bewohnt. Daher erfolgte die Evakuierung des Bohrschlamms über die Erdgeschosswohnung des ersten Hauses hinweg auf die gegenüberliegende Gebäudeseite, wo sich die Absetzbecken befanden. Als Bohrverfahren kam eine Spülrotationsbohrung mit dem Spülmedium Druckluft zum Einsatz. Aufgrund der engen Platzverhältnisse im Garten war eine konventionelle Ton-Spülbohrung nicht umsetzbar. Insbesondere hätte sich die Handhabung des Bohrschlamms bei diesem Verfahren nicht über die Wohnung realisieren lassen.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten musste die Anlage wieder aus dem Hinterhof gehoben werden, wofür die Rainmattstrasse erneut vollständig gesperrt wurde. Eindrucksvoll hob ein Autokran das rund 16 Tonnen schwere Bohrgerät über die Dächer Berns. Damit der Ausleger und das Gegengewicht des mobilen Teleskopkrans genügend Bewegungsraum hatten, wurden die angrenzenden Eichen durch einen von Stadtgrün zertifizierten Förster fachgerecht zurückgeschnitten.

Mit grosser Anspannung startete schliesslich die letzte Phase: In welcher Tiefe würde diesmal die Felsoberkante erreicht werden? Im Vergleich zur ersten Bohrung – rund 25 Meter südwestlich gelegen – wurde der Fels diesmal bereits bei 148 Metern unter Terrain angetroffen, also 16 Meter früher. Die Erleichterung und Freude bei allen Beteiligten waren entsprechend gross.

Nach vier intensiven und anspruchsvollen Wochen konnten sowohl die Anwohnerinnen und Anwohner der idyllischen Rainmattstrasse als auch das gesamte Projektteam aufatmen. Die Erdwärmesonden waren erfolgreich installiert, und die Reihenhäuser konnten fortan umweltfreundlich beheizt werden.

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